Der Traum von Transparenz

von Britta Reichhardt

Am Freitag, den 18. Juli 2014, fand die lang vorbereitete und erwartete Tagung Transparente Welten. Netzwerk, Sicherheit, Anonymität statt.  Nach einer kurzen Einführung, die das Augenmerk auf die Probleme, die digitale Netzwerke in unserer Welt evozieren, und die Konkretisierung der diesbezüglichen Fragestellungen lenkte,  begann Prof. Dr. Manfred Schneider seinen Vortrag „Stichworte zu einer Medientheorie der Transparenz“. Er führte zunächst aus, dass der Transparenztraum zu den ältesten Ideologien des Abendlandes gehört.

Prof. Dr. Manfred Schneider

Prof. Dr. Manfred Schneider

Folgt man erhobenen Statistiken zur Häufigkeit von genutzten Wörtern, dann ist in den letzten Jahren ein Trend zu beobachten, der darauf hindeutet, dass es ein Bedürfnis nach der Nutzung von Transparenz oder Durchsichtigkeit gibt. Dabei wurde das Wort bereits im Mittelalter von Theologen geprägt, hat bereits seitdem eine metaphorische Bedeutung und wurde auch synonym zum Begriff des Mediums genutzt. Der Transparenztraum ist dabei das Verlangen nach Medienlosigkeit. In unserer heutigen Welt, in der nicht verleugnet werden kann, dass sie unter anderem aus Daten und Informationen besteht, scheint es also durchaus den Wunsch zu geben, diese Daten offen zu legen.  Wie Prof. Dr. Schneider in seinem Vortrag belegte, sind die Medien heute zwar andere, der Traum von Transparenz ist jedoch schon sehr alt.

Es folgte der Vortrag mit dem Titel „Kritische Praxis im Netz. Wie selfies und reaction gifs das Gesicht transformieren“ von Christiane Lewe, die sich besonders mit dem Phänomen der selfies auseinandersetzt.  Bevor sie aber auf diese Art der fotografischen Selbstporträts zu sprechen kam, brachte Frau Lewe zunächst Kritik an Geert Lovink an, dessen Netzkritik sich in einer Krise zu befinden scheint. Dabei stellte sich die Frage, ob die vielgesuchte Netzkritik  nicht bereits im Netz vorhanden ist, unter anderem auch in der Form von selfies. Dabei haben selfies meist einen schlechten Ruf, sie werden als narzisstisch beschrieben und stehen für Egosimus und ein schwaches Selbstbewusstsein.

Christiane Lewe

Christiane Lewe

Dabei können sie die Zuschreibung von einem Gesicht zu einer Person, wie es Behörden und Ämter mit vorgeschriebenen Fotos tun, durchbrechen. Gesichter werden entindividualisiert, manche selfies zielen auf Grimassen und Entstellungen des Gesichts durch beispielsweise Klebeband ab. Es  bleibt die Frage, ob solche Transformationen des Gesichtes eine Form kritischer Praxis im Netz sind, die sich gegen die Vereinheitlichung und die Zuschreibung eines „Ichs“ zu einer Person richtet.

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Anonymität vs. Selbst-PR

Anschließend an den Vortrag von Frau Lewe stellten Erika P., Angela R. und Yuequn Z. ihre Bildausstellung „Anonymität vs. Selbst-PR“ vor, in der sie der Frage nachgegangen waren, welche Geschichten eigentlich hinter den Profilbildern bei Facebook stecken.

Dabei interessierte sie besonders, warum gerade diese Bilder ausgewählt worden waren und was die Personen dahinter dazu bewegt hat, diese Bilder im Netz offen zu legen. Denn über Profilbilder findet eine Identitätsbildung und –erkennung statt, die je nach Bild gewollt oder abgelehnt wird. Die Ausstellung wird auch im nächsten Semester noch an der Ruhr-Universität Bochum im Raum GABF 04/611 zu betrachten sein.

Auch der Film „Netzsicherheit in Facebook“ von Marco C., Giuliana L. und Lea S. beschäftigt sich mit dem Thema Facebook. Der Gruppe ging es vor allem darum, den Blick für Datensicherheit im Netz zu schärfen, das Kleingedruckte zu lesen und zu hinterfragen. Dabei sind sie vor allem der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Nutzer*innen überhaupt auf die eigene Sicherheit haben sowie ob und wieviel die Sicherheit in Netzwerken ihnen überhaupt bedeutet. Für ihren Film interviewten sie  Prof. Dr. Thorsten Holz, der auch persönlich an der Tagung teilnahm und in seinem Vortrag „IT-Sicherheit und soziale Netze – ein Widerspruch?“ veranschaulichte, wie sich IT-Sicherheit dem Thema von Datensicherheit in sozialen Netzwerken nähert. Dabei stellte er zunächst das Problem bei digitalen Identitäten heraus, dass man nicht weiß, wer wirklich dahinter steckt. Für soziale Netzwerke ergeben sich dadurch Schwierigkeiten wie spam, rogue followers, user profiling oder account take-over.SAM_2219

Gerade durch die Veröffentlichung falscher Nachrichten, beispielsweise auch über den Account einer anderen Person, ohne dass diese das bemerkt, können andere Nutzer*innen gezielt manipuliert werden.  Ein möglicher Ansatzpunkt ist daher die De-Anonymisierung, um solchen Tätigkeiten entgegen zu wirken. Während Prof. Dr. Holz im weiteren Verlauf seines Vortrags anhand eines selbst durchgeführten Versuchs beleuchtete, wie Daten aus dem Netz geholt werden können, beschäftigten sich Max K. und Sarah W. in ihrem anschließenden Vortrag „Dem Wert der Daten auf der Spur“ damit, wie viel solche Daten eigentlich wert sind. Max erklärte dabei zwei Strategien, mit Daten umzugehen. So gibt es die defensive Variante, bei der möglichst wenige Daten bekannt gegeben werden, wohingegen bei einer offensiven Form versucht wird, aus den Daten einen finanziellen Nutzen zu schlagen. Denn mittlerweile gibt es Firmen, die darauf bauen, Daten direkt vom Nutzer selbst zu kaufen. Die angebliche Kontrolle über seine eigenen Daten ist dabei jedoch nicht gewährt. Vielmehr gibt es nur eine weitere Firma, die über die eigenen Daten verfügt. Fraglich bleibt auch, in welchem Maße für die gelieferten Daten gezahlt wird und was alles preisgegeben werden muss. Im Gegensatz zu Max‘ Vortrag, der vorwiegend den einzelnen Nutzer in den Vordergrund rückte, stellte Sarah die Frage, wie der Datenwert mit dem Wert eines Unternehmens in Zusammenhang steht. An einem Beispiel machte sie deutlich, dass die Annahme, man könne vom Wert eines Unternehmens auf den Wert eines einzelnen Nutzers schließen, so nicht tragbar ist. So wurde der Unternehmenswert von Facebook anhand seines Börsenwerts bestimmt. Da dieser aber schwankt, bedeutet das, dass auch der Wert der Daten nie konstant ist. Dieser Wert ist immer an eine reale Ökonomie gekoppelt. Eine geeignetere Annäherung an einen Datenwert ist der Blick auf den Preis, den ein Unternehmen tatsächlich für ein Datenpaket bezahlt. Letztlich bleibt die Frage, ob Daten wirklich dem Wert entsprechen, mit dem sie gehandelt werden.

Es folgte ein weiterer Film, „Netzkritik – Kritik im Netz“, der sich mit der Frage beschäftigt, ob und inwiefern Netzkritik im Netz selbst gefangen ist. Kim G., Julia L. und Irina O. stellten dabei zunächst heraus, dass es sich bei dem Begriff der Netzkritik um ein weites Feld handelt, das nicht ohne Weiteres bestimmt werden kann. Dadurch ergeben sich verschiedene Schwierigkeiten, denn die Form einer Netzkritik im Netz kann durchaus als paradox bezeichnet werden. Während der Film diesen Problemen nachgeht, wirft er vor allem auch die weiterführende Frage nach produktiven Alternativen von Netzkritik auf.

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Die Performance Web.Spinne

Um ein Netz ging es auch in der anschließenden Performance „Web.Spinne“ von Samira Z., die als anonyme Figur die Teilnehmer der Tagung in ein Netz spannte und somit die Frage aufwarf, ob wir das Netz benutzen oder ob wir nicht vielmehr darin gefangen sind. So fielen die Reaktionen auf die Performance auch recht unterschiedlich aus. Während sich die einen als Teil eines Ganzen begriffen und dieses als positiv empfanden, gab es auch die „Netzgegner“, die sich eingeengt fühlten und die Performance als bedrückend empfanden.

Gemeinsam war allen Beiträgen, dass sie das Bewusstsein für die Probleme der Transparenten Welten geschärft und viel Stoff zum weiteren Nachdenken geliefert haben. An dieser Stelle noch einmal ein Dank an alle Redner und Teilnehmer für diese gelungene Tagung!

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Der Countdown läuft…

von Anja Kleykamp

Nun ist es bald so weit. Die Vorbereitungen für unsere Tagung laufen auf Hochtouren. Auf diesem Wege möchten wir noch einmal alle Interessierten herzlich einladen, sich die Vorträge anzuhören und mit uns zu diskutieren. Unser Programm, das von Expertenvorträgen und einer Ausstellung bis hin zu Filmvorführungen und einer Performance reicht, ist abwechslungsreich und wir sind sicher, dass für jeden etwas dabei ist. Schließlich geht es um ein Thema, das alle betrifft und mit dem sich jeder schon auseinandergesetzt hat. Sicherheit im Netz ist für jeden Einzelnen von Bedeutung und kann aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden. Hierbei spielen sowohl soziale, als auch ökonomische und politische Fragen eine Rolle. Die Vielfalt dieser Zugangsmöglichkeiten unterstreicht den großen Einfluss, den das Internet ausübt und die vielen Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen. Bei Kaffee und Kuchen werden wir eine angenehme Atmosphäre für angeregte Diskussionen mit den Teilnehmern schaffen. Wer gern noch etwas länger bleiben möchte, hat die Möglichkeit, seine Gespräche bei einem gemeinsamen Sekt-Ausklang zu vertiefen.

Es geht auch anders

von Britta Reichhardt

Für unseren Blog führten wir ein Interview mit Jan-C. Borchardt, der als Designer für Open-Source-Projekte arbeitet. Hauptsächlich ist er im Moment für ownCloud tätig, einer Alternative zu Dropbox und Google Drive.

Warum gerade Open-Source?

Jan: Einerseits sehe ich ein Problem mit der zunehmenden Privatisierung des Internets durch Firmen und möchte etwas dagegen tun. Dazu mag ich auch die offene Arbeitsweise von Open-Source-Projekten, wo jeder etwas beitragen kann.

Seit wann beschäftigst du dich mit Open-Source und wie kamst du dazu?

J: Seit etwa fünf oder sechs Jahren. Damals hat ein Kumpel mir Ubuntu empfohlen, ich bin umgestiegen von Windows. Nach und nach hab ich bei Übersetzungen mitgemacht, Fehler gemeldet, und dann auch Designkonzepte geschrieben.

Und da fand ich besonders spannend, dass bei Open-Source-Projekten oft Designer fehlen. Mittlerweile gibt es durch die NSA-Affäre auch in Designer-Kreisen mehr Sichtbarkeit, man merkt, dass immer mehr gut gestaltete Open-Source-Software entwickelt wird.

Was hat sich durch die NSA-Affäre noch geändert?

J: Durch die NSA-Affäre wurde es erstmals wirklich offensichtlich, dass die Überwachung „echt“ ist. Vorher wurde meist nur gemunkelt oder hauptsächlich verschwörungstheoretisch darüber geredet. Doch seitdem weiß man, dass es systematische Überwachungs-Verträge gibt, und die meisten großen Internet-Plattformen dort eingespannt sind.

Dadurch sind auch so normalerweise sehr technische Themen wie Verschlüsselung zu etwas geworden, wonach die Leute fragen und was als Qualitätskriterium gilt.

Kannst du dazu konkret ein Beispiel nennen?

 J: Ein teils gutes, teils schlechtes Beispiel ist dazu das Kommunikations-App Threema: Es ist so wie WhatsApp, aber allein durch das Argument der Verschlüsselung wurde es sehr beliebt. Das Problem dabei ist, dass Threema nicht Open-Source ist – das heißt, man kann nicht kontrollieren, ob wirklich alles verschlüsselt wird oder ob die Daten wirklich nicht überwacht werden.

Aber es ist trotzdem gut, dass ein Bewusstsein für so etwas entsteht.

Wie für das Problem der Privatisierung? Kannst du dieses kurz erläutern?

J: Das Problem der Privatisierung ist, dass wir unsere persönlichsten Daten an Firmen geben. Wir wissen nicht, ob diese in einigen Jahren noch bestehen. Oder ob diese Firmen Daten zu Zwecken nutzen, mit denen wir nicht einverstanden sind.

Warum sind dann trotzdem  große Netzwerke wie Facebook und Google so beliebt?

J: Bei sozialen Netzwerken gibt es natürlich immer das Problem des Netzwerkeffekts: Das Netzwerk ist nur nützlich, wenn viele es nutzen. Das war beispielsweise das Problem von Diaspora. Besonders als dann Google Plus kam, wurde dieses das Wahl-Netzwerk von vielen Technik-Affinen.

Welche Erklärung hast du dafür, dass viele mit dem Facebook-Kauf von WhatsApp nicht einverstanden waren?

J: Viele sind zu WhatsApp gegangen, weil es eben nicht Facebook war. Es war kleiner, nur auf Kommunikation ausgelegt und ein kleiner Player. Man unterstützt gerne die Kleinen, besonders wenn es etwas Anderes und Neues ist. Leute sind gerne Teil von kleinen Netzwerken, mit denen man sich mehr identifizieren kann als mit etwas großem, wo jeder und seine Oma ist. Was ja eigentlich gut für Alternativen zu Facebook ist. Trotzdem sind Facebook, Dropbox, Google etc. natürlich auf der Hut und kaufen gerne kleine Startups, die sie als zukünftige Konkurrenz ansehen.

Gibt es momentan eine Plattform, die ernstlich als Alternative zu den eben genannten gelten kann?

J: Es gibt zwar keine direkte Alternative in dem Sinne, aber viele kleinere Initiativen in die Richtung. Es gibt kleiner Projekte zur Gruppen-Kommunikation, die sich an soziale Netzwerke annähern, zum Beispiel Buddycloud: http://buddycloud.com/

Auch bei ownCloud arbeiten wir an Kommunikations-Funktionalität. Man merkt, dass sehr viele Projekte früher oder später irgendeinen Aspekt der Kollaboration und damit Kommunikation – ein „soziales Netzwerk“ einbauen.

Mailpile hingegen setzt nicht auf ein neues Netzwerk, sondern auf die Verbesserung von Email selber durch einfache Nutzung und Sicherheit:  https://www.mailpile.is/

Gibt es Internetseiten, auf denen man sich gezielt über Alternativen informieren kann?

J: Gezielt informieren kann man sich auf http://prism-break.org/en/ oder  http://libreprojects.net (mit Fokus auf Webanwendungen).

Dein Fazit zu alternativen Netzwerken?

J: Ich denke, dass sich in den nächsten Jahren immer mehr kleine Alternativen herausbilden, die dank der öffentlichen Aufmerksamkeit auch gut genutzt werden. Es wird nicht den einen „Facebook-Killer“ geben, sondern hundert kleine Alternativen.

Selbstbestimmung im Netz – Wunschdenken oder Realität?

von Sarina Bühmann

Im Netz bestimmen wir selbst, welche Daten wir von uns preisgeben. Wir entscheiden, was uns interessiert und können frei die uns angebotenen Informationen interpretieren. Das diese Gedanken wohl mehr dem Wunsch nach Selbstbestimmung als der Realität im Internet entsprechen, dürfte den meisten von uns klar sein. Undeutlich aber bleibt, wie viel Macht sich wirklich hinter Unternehmen wie Google oder Facebook verbirgt und wie diese unbemerkt mit jedem Klick die Autonomie der Nutzer in der digitalen Welt untergraben.
Bei Suchmaschinen wie Google entscheiden wir doch selbst, was uns interessiert, indem wir eben diesen Suchbegriff eingeben? Falsch, meint der US-amerikanische Internetaktivist Eli Pariser. Google und andere Suchmaschinen funktionieren nur durch bestimmte Algorithmen. Diese unterlägen einer hohen Manipulationsgefahr und bestimmen, durch die Positionierung der Suchergebnisse, was uns interessiert.
Auch die sozialen Netzwerke haben einen hohen Einfluss auf die Selbstbestimmung ihrer Nutzer – im Internet und sogar darüber hinaus im realen Leben. Jaron Lanier, einer der wichtigsten Berater der größten Internetkonzerne der Welt, hat selbst keinen Account bei einem sozialen Netzwerk. Er scheut die Macht dieser Medien, die die Persönlichkeit des Menschen verändern würden. „Soziale Netzwerke verstärken das soziale Bewusstsein und den sozialen Druck zu schnell und stark“, äußerte der Internet-Philosoph und Computerexperte in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Wir wissen mehr über die kommunistische Partei Chinas oder die US-Geheimdienste als über Unternehmen wie Google und Facebook.“
Auch Mitchell Baker, Chefin der Mozilla-Stiftung, kritisiert in einem Blogeintrag die fehlende Selbstbestimmung der Nutzer über ihre eigenen Daten: „Right now there’s no convenient way for me to share information about myself and maintain control over that information. I share information about myself by putting it someplace where someone else makes all the rules.”
Dieser Kontrollverlust über die eigenen Daten und Informationen raubt den Internetnutzern jede Chance auf Selbstbestimmung. Die Forderung von Baker lautet daher: „Each of us should have a meaningful choice about where and how our data is stored and managed.” Stiftungen wie Mozilla arbeiten an Lösungen für dieses Problem, um ihren Usern die “Sovereignty” zurückzugeben. Solange aber die großen Internetunternehmen weiterhin undurchsichtig bleiben, haben auch die Nutzer wenig Chance zu erkennen, welche Spuren sie im Internet hinterlassen und wie diese sich rückwirkend auf zukünftige Wege in der digitalen Welt auswirken.

 

 

Quellen:

Handelsblatt: 01.07.2014
Baker, Mitchell: “User Sovereignty for our Data“, 13.01.2012: http://blog.lizardwrangler.com/2012/01/13/user-sovereignty-for-our-data/

Die Qual der Wahl…

von Louisa Hackmann

„Facebook helps you connect and share with the people in your life.“[1] So lautet der Slogan des größten sozialen Netzwerkes der Welt, welches momentan über 1 Milliarde aktiver Nutzer hat. „Super, das will ich auch“, denken sich viele und sind binnen weniger Klicks Teil dieses großen Ganzen, das sich Facebook nennt. Chatten, posten, Fotoalben und Veranstaltungen erstellen – Facebook macht es einem leicht, mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, Partys zu organisieren oder Fotos des letzten Strandurlaubs zu teilen. Nicht zuletzt aufgrund seiner einfachen Handhabung und der großen Benutzerzahl ist Facebook so beliebt. Wer mit seinen Freunden via soziales Netzwerk verbunden sein will, setzt heute nicht mehr auf Studi-VZ oder myspace, sondern legt diese Aufgabe und damit zu allem Übel auch seine Daten vertrauensvoll in die Hände des Facebook-Konzerns. Mit seinen Freunden in Verbindung zu bleiben, hat seinen Preis, so scheint es: wer online kommunizieren, organisieren und am Leben anderer teilhaben will, der übergibt im Gegenzug Facebook die Hoheit an den eigenen Daten und verliert somit ein Stück weit die Kontrolle über diese.

Nicht ohne Grund führt dieses Dilemma zum Umdenken vieler Nutzer und dem damit verbundenen Aufkommen alternativer Netzwerke, die mehr Transparenz und Kontrolle über die eigenen Daten versprechen. Eins dieser Netzwerke, das sich als Gegeninitiative zu Facebook bildete, ist Diaspora.[2] Diaspora ist ein dezentralisiertes Netzwerk, bei welchem die Daten im Gegensatz zu Facebook nicht auf einem Server gespeichert werden, sondern sich auf viele Server, so genannte Pods, verteilen. Theoretisch kann jeder Nutzer einen solchen Pod erstellen und seinen Account samt dessen Daten darauf speichern. Das Schlüsselwort hierbei ist jedoch „theoretisch“, da kaum ein klassischer Nutzer sich gut genug auskennt, um solch einen Pod zu erstellen. Die Kontrolle über die eigenen Daten klingt verlockend, funktioniert aber für den Großteil der Nutzer nur in der Theorie. Immerhin bleibt auch dem unerfahrenen User zumindest die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, auf welchem Pod er seinen Account speichert. So gehören die Daten zwar keinem internationalen Konzern wie Facebook, aber die Sicherheit, dass damit kein Missbrauch geschieht, ist dennoch nicht gegeben. Hat man sich einmal angemeldet und für einen Pod entschieden, erwarten den User zudem noch mehr Herausforderung, wie der Selbsttest zeigt. Die Benutzeroberfläche ist weitaus unübersichtlicher und die Bedienung weniger intuitiv als bei Facebook. Auch das Finden von Freunden ist erschwert, da man solche, die ihren Namen nicht angegeben haben, nur über den akkuraten Benutzernamen und durch Angabe des benutzten Pods finden kann. So bleibt das Suchen alter Schulfreunde, zu denen man den Kontakt schon vor Jahren verloren hat, auf der Strecke. Auf eine Vielzahl der Features, die an Facebook so geschätzt werden und das in Kontakt bleiben vereinfachen, muss hier verzichtet werden: Gruppen oder Veranstaltungen gibt es auf Diaspora ebenso wenig wie eine klassische Chat-Funktion.

Wer Kontrolle über seine Daten möchte, muss auf anderer Seite Abstriche machen. Die Wahl zwischen Facebook und einem alternativen dezentralisierten Netzwerk wird somit zur klassischen Kosten-Nutzen-Abwägung. Der Grundgedanke sozialer Netzwerke ist, Menschen zu verbinden und ihnen die Möglichkeit zu geben, einander online zu kontaktieren – eine Kosten-Nutzen-Abwägung also, die auf Seiten der meisten User zugunsten von Facebook ausfällt. Wenngleich Datensicherheit den meisten Menschen immer wichtiger wird, erscheint es paradox, auf ein soziales Netzwerk umzusteigen, dass nicht die vom User gewünschten sozialen Komponenten wie Gruppen und Veranstaltungen enthält und zudem hohe Erwartungen an die Computerkompetenz seiner Nutzer stellt, während diese meist nur einen einfachen Weg der Online-Kommunikation suchen. Wenngleich Diaspora dem User die Möglichkeit gibt, die Kontrolle über die eigenen Daten zurückzuerlangen, versagt es dem Nutzer die für ihn wichtigsten Aspekte eines sozialen Netzwerks. Alternative Netzwerke sind sinnvoll, können aber nur dann greifen, wenn sie genau das leisten, was Facebook seinen Usern verspricht: möglichst unkompliziert zu ermöglichen, „mit den Menschen in [s]einem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“[3]

 

[1] https://www.facebook.com

[2] https://diasporafoundation.org/

[3] https://de-de.facebook.com/

Und wie viele Likes hast du?

von Anja Kleykamp

Viele Nutzer von Facebook mögen die Like-Funktion, die das Netzwerk ihnen bietet. Wenn sie etwas mögen, möchten sie dies auch zeigen und es mit anderen teilen. Dies ist eigentlich ein schöner und sozialer Gedanke, doch es lässt sich beobachten, dass um die Anzahl an Likes nahezu ein Wettbewerb stattfindet. Im Rahmen der dritten Unlike Us- Konferenzreihe in Amsterdam hat der Künstler und Komponist Benjamin Grosser sein Projekt vorgestellt: den Facebook Demetricator, eine Software, die alle Zahlen auf Facebook verschwinden lässt. Grosser hat seinen Master in den Neuen Medien an der University of Illinois gemacht und ist besonders an den kulturellen, sozialen und politischen Aspekten von sozialen Netzwerken interessiert. Seine Werke wurden durch viele internationale Ausstellungen bekannt und bereits mehrfach ausgezeichnet.
Was soll durch den Facebook Demetricator erreicht werden? In seinem Vortrag [1] bei Unlike Us erklärt Grosser, dass er an sich selbst folgendes Verhalten festgestellt habe: Anstatt sich dafür zu interessieren, was seine Freunde ihm schreiben, hat er sich immer mehr auf die reinen Zahlen konzentriert. Wie viele Likes habe ich? Wie oft wurde mein Beitrag kommentiert? Wie lang ist meine Freundesliste? Dies hat ihn zum Nachdenken darüber angeregt, ob das Verlangen nach mehr und mehr Likes auch den Inhalt unserer Einträge verändert. Überlegen wir, was und wie wir schreiben, nur um mehr Likes zu bekommen und möglichst vielen zu gefallen, anstatt auszudrücken, was einem wirklich wichtig ist?
Die Fokussierung auf Zahlen bringt Grosser mit unserer kapitalistischen Gesellschaft in Zusammenhang. Es existiert ein „desire for more“, nicht nur in unserem Berufs- und Alltagsleben, sondern auch im virtuellen Raum streben wir nach mehr, wollen wir andere übertreffen und uns besonders vortrefflich präsentieren. Facebook selbst unterstütze diesen Wettbewerb, indem dem Nutzer die Zahlen möglichst oft und überall vor Augen geführt würden und er dazu angeregt werde, noch mehr Freunde hinzuzufügen oder etwas mit anderen Nutzern zu teilen. Grosser geht sogar so weit, Facebook als „technology of control“ und das hervorgerufene Verhalten als „prescripted sociality“ zu bezeichnen.
Eben dies soll durch die Entwicklung des Facebook Demetricators gesprengt werden. Durch das Verschwinden der Zahlen sieht der Nutzer lediglich, dass er Likes und Kommentare hat, aber nicht, wie viele es sind. Hierdurch soll eine Netzwerkgesellschaft entstehen, die nicht auf Quantifizierung beruht, da die Zahlen nicht als die vordergründige Information angesehen werden. Der Nutzer soll entdecken, wie Facebook ohne Zahlen funktioniert, sodass der Fokus nicht mehr darauf liegt, wie viele Freunde jemand hat, sondern darauf, wer sie sind und was sie sagen.
Die Rückmeldungen, die Grosser von anderen Nutzern zu seiner Software erhalten hat, sind größtenteils positiv: Der Facebook Demetricator beseitige das Suchtpotenzial und schwäche die emotionale Manipulation. Außerdem verschwinden unsichtbare Regeln, die man seinem eigenen Nutzerverhalten gesetzt habe. So berichtet jemand, dass er, sobald eine Nachricht älter war als zwei Tage, nicht mehr auf diese geantwortet habe. Da er durch den Demetricator aber nicht mehr weiß, wie alt die Nachricht ist, reagiert er nun auch noch später. Einige Nutzer erklären aber auch, dass die Abwesenheit von Zahlen sie verunsichere. Wenn die Anzahl an Likes nicht angezeigt wird, liken sie selbst nicht mehr, da sie auf keinen Fall die ersten sein möchten, die etwas liken. Wenn bereits eine große Zahl an Likes vorhanden ist, liken sie normalerweise auch nicht mehr, da dies ihrer Meinung nach schon ausreichend getan wurde. Diese Äußerungen zeigen, wie sehr die Zahlen das Nutzerverhalten beeinflussen.
Auch wenn die Software an sich vielleicht keine große Bedeutung hat, da ja schließlich nur die Zahlen beseitigt werden, weist Grosser mit seinem künstlerischen Projekt dennoch auf einen interessanten Aspekt der Sozialen Medien hin: Dem Nutzer ist nicht nur seine Selbstpräsentation wichtig, sondern auch, dass er durch die Zahlen in seinem Verhalten bestätigt wird. Er scheint sich mehr wert zu fühlen, wenn er mehr Freunde, Likes oder Kommentare hat als andere. Durch die Fokussierung auf Zahlen verliert der Nutzer immer mehr die eigentliche Bedeutung von sozialen Netzwerken aus den Augen. Sozial zu sein.

 

[1] http://vimeo.com/63460083

Möglichkeiten, Alternativen, Entscheidungen

von Britta Reichhardt

Aus den zahlreichen Angeboten und Möglichkeiten des Internets kann sich jeder das für ihn Passende aussuchen – seien es beispielsweise E-Mail Anbieter, Messenger oder soziale Netzwerke. Dabei kann es durchaus zu Diskrepanzen kommen, zwischen dem Angebot und dem, was der Nutzer will. So sollen soziale Netzwerke kostenfrei und für jeden verfügbar sein. Der Nutzer will aber auch seine eigenen Daten gesichert wissen und möchte nicht, dass diese von Konzernen genutzt werden. Aus scheinbarem Mangel an Alternativen werden hier aber meist Kompromisse eingegangen – denn die Nutzung von Facebook und den Möglichkeiten, die Google bietet, sind doch so einfach und praktisch, während eine Suche nach Alternativen mit Arbeit verbunden ist.

Mit genau dieser Suche beschäftigen sich die Veranstalter von „Unlike Us“, „a research network of artists, designers, scholars, activists, and programmers, with the aim to combine a critique of the dominant social media platforms with work on ‘alternatives in social media’, through workshops, conferences, online dialogues, and publications.”[1]

Dabei geht es nicht darum, alles Bisherige als schlecht darzustellen. Vielmehr beschäftigt sich das Netzwerk mit den Vor- und Nachteilen, welche sowohl die großen sozialen Netzwerke mit sich bringen, die aber auch in Alternativen wie dezentralisierten Netzwerken zu finden sind.

So beschreibt Geert Lovink, wie das Internet seinen Nutzern eine weit gefächerte Plattform für Veröffentlichungen bietet, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass dies auch zu einer Art Überflutung von Informationen und Datenmassen führt: „When everyone broadcasts, no one is listening.“[2] Nur weil etwas in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht wurde, heißt das also noch lange nicht, dass sich dafür auch jemand interessiert, beziehungsweise hier eine Interaktion stattfindet.

Tiziana Terranova und Joan Donovan weisen auf einen ganz anderen Punkt hin, der sich auf eine bestimmte Art von Veröffentlichungen auf sozialen Plattformen bezieht. So heißt es: „[…] social networking platforms produce a kind of armchair activism, where signing a petition or joining a group is a safe and ultimately harmless way to vent one’s anger.“[3] Die Kritik richtet sich hier gegen unreflektiertes Verhalten in Netzwerken, welche  scheinbar die Möglichkeit bieten, etwas bewegen zu können, im Grunde aber weit davon entfernt sind.

Sherry Turkle wiederum sieht in allen Netzwerken eine Gefahr. Sie beschreibt das Phänomen, dass sich die Nutzer online eine „bessere Welt“ mit einem „besseren Ich“ erschaffen können und nach der Rückkehr in die reale Welt von dieser enttäuscht sind. Zudem macht sie klar, dass die Technik zwar mehr Zeit verspricht, da über das Internet viele Dinge schnell erledigt werden können, diese uns aber auch mehr binden. Nicht selten verbringt man doch mehr Zeit im Netz als geplant, agiert auf sozialen Plattformen mit dem Gefühl, sozial zu interagieren, während man allein zu Hause sitzt.[4]

 

Es ist also durchaus angebracht, nicht alle Möglichkeiten, die das Internet bietet, anzunehmen, ohne sie zu hinterfragen. Mal einen Blick auf Alternativen werfen. Zu reflektieren, was in den sozialen Netzwerken eigentlich passiert. Denn letztlich liegen die Entscheidungen, die wir im Internet treffen, immer noch bei uns selbst.

 

 

[1] http://networkcultures.org/unlikeus/past-events/3-amsterdam/reader/

[2] Lovink, Geert (2011): Networks wothout a cause. A critique of social media. Cambridge: Polity Press. S. 6.

[3] Terranova, Tiziana und Joan Donovan(2013): Occupy social networks: The paradoxes of corporate social media for networked social movements. In: Unlike Us Reader. Social Media Monopolies and Their Alternatives. Amsterdam: Institute of Network Cultures. S. 297.

[4] Vgl. Turkle, Sherry (2011): Alone together. Why we expect more from technologies and less from each other. Perseus Books Group. S. 11ff.

Organisation der Tagung

von Sarina Bühmann

Im Folgenden informieren wir euch mit einem gekürzten Interview über die Arbeit der Organisationsgruppe:

Ihr organisiert zum ersten Mal eine studentische Tagung: Was sind die wichtigsten Punkte, die man dabei bedenken muss?

Es ist wichtig, wissenschaftlichen Anspruch und ganz pragmatische Aspekte wie zum Beispiel die Verpflegung der Tagungsgäste unter einen Hut zu bekommen. Da wir alle organisatorischen Bereiche selber abdecken müssen, ist das eine sehr vielfältige und spannende Aufgabe und man merkt mit der Zeit, wo die persönlichen Stärken liegen.

Wie beeinflusst der enge Zeitrahmen von nur zwei Monaten eure Arbeitsweise?

Die knappe Zeitspanne spornt uns an, ständig am Ball zu bleiben und die Aufgaben schnell und effektiv zu bewältigen; sie hilft uns aber auch, unsere eigenen Erwartungen zurückzuschrauben und realistisch zu bleiben. Mit dem Veranstaltungsraum waren wir sehr spät dran, haben mit dem Blue Square aber einen wirklich guten Ort gewinnen können.

Wie zeitaufwändig ist es eine studentische Tagung zu organisieren?

Unser Zeitaufwand variiert von Woche zu Woche in Abhängigkeit von dem, was wir gerade bearbeiten – im Durchschnitt treffen wir uns einmal in der Woche, um gemeinsam zu planen und Aufgaben unter uns aufzuteilen; dazu kommunizieren wir ständig untereinander und mit externen Stellen per E-Mail und werden hier und da auch persönlich vorstellig. In den nächsten Wochen werden wir uns intensiv mit Werbung und praktischen Organisations-Fragen beschäftigen.

Beeinflusst das Thema der Tagung bestimmte organisatorische Entscheidungen?

Wir haben verschiedene Institutionen als Sponsoren angefragt, bei denen wir in der einen oder anderen Weise thematische Zusammenhänge sehen. Die Veranstaltungsbewerbung findet zu wichtigen Teilen im Internet statt – auch eine Nutzung von sozialen Netzwerken zu Werbezwecken ist ja schon eine Auseinandersetzung mit der Thematik.

Ihr werdet die Tagung vor Ort auch moderieren: Wie genau bereitet Ihr euch darauf vor?

Wir recherchieren, lesen uns in die Themen ein und besorgen uns Hintergrundinfos zu den Referenten*innen. Letztlich soll unsere Moderation aber vor allem eine Orientierung für die Tagungsgäste bieten und durch den Tag führen – wir planen keinen größeren inhaltlichen Beitrag.

Wenn selbst im Paradoxen ein Funken Wahrheit steckt…

von Louisa Hackmann und Anja Kleykamp

“Look up from your phone, shut down the display.”[1] Das fordert der Autor Gary Turk in seinem neuen YouTube-Video und wir posten, liken, kommentieren und retweeten es. Aufblicken sollen wir – aufblicken von unseren Smartphones, unseren Tablets, unseren Apps, unseren Social Networks. Die Botschaft ist eindeutig: böses, böses Internet, das uns zu sozial verkümmerten Wesen macht, die nicht reden, sondern posten und die Fotos der letzten Geburtstagsparty lieber liken als selbst hinzugehen. Inwiefern Gary Turk und andere Videos dieser Art Realitätsgehalt haben und ob sie sich nicht selbst am Rande des Paradoxen bewegen, da sie über Kanäle verbreitet werden, die in ihnen kritisiert werden – darüber lässt sich streiten. Doch dass Videos wie dieses einen Nerv treffen, ist nicht von der Hand zu weisen. Knapp 40 Millionen Klicks beweisen das.

Gary Turk thematisiert in seinem Video, wie abhängig wir von sozialen Netzwerken und dem Internet im Allgemeinen geworden sind. In rund drei Minuten erzählt er eine Liebesgeschichte, die nie stattgefunden hat. Sein Video handelt von Gelegenheiten, die wir verpassen, weil wir lieber auf Bildschirme starren, als uns miteinander zu unterhalten. „This media we call social is anything but“[2], ist einer der Leitgedanken des Videos. Ähnlich wie auch andere Netzkritiker stellt Turk die These auf, dass wir durch soziale Netzwerke immer mehr vereinsamen und diese weit weniger sozial sind, als sie von sich behaupten. Auch die Soziologin Sherry Turkle weist auf diese Absurdität hin, wenn sie ihrer Abhandlung über soziale Netzwerke den Titel „Alone Together“ gibt.

Anhand vieler Beispiele legt Turk offen, wie viel Zeit die Nutzer im Internet und auf Plattformen wie Facebook verbringen und beschreibt auf künstlerische Art, wie diese ausgiebige Nutzung uns vereinsamen lässt. So sagt er: „Be there for your friends and they’ll be there too, but no one will be if a group message will do”. Auf filmischer Ebene unterstützt er seine These, indem er parallel zunächst eine Gruppe von Freunden ohne Smartphones zeigt, in der miteinander geredet und gelacht wird, um danach auf eine junge Frau aus dieser Gruppe zu schwenken, die nur übers Handy kommuniziert. Die Gruppe von Freunden verblasst im Video langsam, sodass die junge Frau alleine ist. Der Kontakt zu Freunden wird nur noch durchs Smartphone gepflegt und man wird somit trotz Nutzung sozialer Netzwerke einsamer. Turk geht sogar noch weiter und verdeutlicht anhand zweier Kinder, die nebeneinander sitzen, aber nur aufs Handy starren, dass selbst schon Kinder, die zusammen Zeit verbringen, dennoch alleine sind, weil die ganze Aufmerksamkeit dem Smartphone gilt. Persönliche Kommunikation und gemeinsame Erlebnisse werden somit zweitrangig.

Trotz der Tatsache, dass „Look up“ auf so große Resonanz stößt, wurde es häufig für seine Polemik kritisiert. Turks Video sei übertrieben, schreiben viele und weisen zudem auf das Paradoxe der Botschaft hin. „Look up“ kritisiert Internet-Nutzung und die Abhängigkeit von Online-Netzwerken, wurde jedoch selbst in einem publiziert und sein Erfolg speist sich daraus, dass möglichst viele Nutzer es anschauen. Was viele dieser Kritiken jedoch nicht berücksichtigen, ist, dass Turk selbst sich dieser Absurdität bewusst ist. So beendet er sein Video mit dem Satz: „Stop watching this video, live life the real way.“

Netzkritik im Netz ist immer paradox. Das gilt nicht nur für Gary Turks Video, sondern auch für zahlreiche kritische Stimmen, die sich online bemerkbar machen und sich aber gerade durch die immense Reichweite ein größeres Publikum verschaffen können. In jene Liste von Netzkritik im Netz reiht sich auch unser Blog ein. Ganz schön paradox. Aber dazu stehen wir.

 

[1] http://www.youtube.com/watch?v=Z7dLU6fk9QY

[2] Ebd.

Transparente Welten – Die Tagung

Transparente Welten – Netzwerk, Sicherheit, Anonymität. Hinter dem Titel steht nicht nur dieser Blog, sondern auch eine medienwissenschaftliche Tagung, die am 18. Juli 2014 im Blue-Square in Bochum stattfindet und von Studenten der Ruhr-Universität Bochum organisiert und ausgerichtet wird.

Ausgehend von dem Seminar „Unlike us. Kritik sozialer Medien und Netzwerke“ entstehen verschiedene studentische Projekte, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Tagungsthema auseinandersetzen. Neben den studentischen Beiträgen gibt es auch drei externe Redner, die Vorträge zu den Themen  „Transparenztraum“,“ mugshots, selfies and reaction gifs“ und „Datensicherheit“ halten werden.

Um die Planung zu erleichtern bitten wir um Anmeldung per Mail an: Robin.Schrade@rub.de

Aber natürlich sind auch Kurzentschlossene herzlich willkommen!

 

Das Tagungsprogramm:

 

10:00             Eröffnung

 

 10:15           Stichworte zu einer Medientheorie der Transparenz

Prof. Dr. Manfred Schneider (Bochum)

 

 11:15            Pause

 

 11:30            Kritische Praxis im Netz

                        Wie Selfies und Reaction GIFs das Gesicht transformieren  (Vortrag)

Christiane Lewe, M.A. (Weimar)

 

12:30             Anonymität vs. Selbst-PR (Einführung in die Begleitende Ausstellung)

Erika Pupsyte, Angela Rabing, Yuequn Zhou

 

12:45             Mittags-Pause

 

13:45             Netzsicherheit in Facebook (Film und Einführung)

Marco Cannata, Giuliana Lettieri, Lea Stegers

 

14:15             IT-Sicherheit und soziale Netze – ein Widerspruch?   (Vortrag)

Prof. Dr. Thorsten Holz (Bochum)

 

15:15              Kaffee-Pause

 

15:45             Dem Wert der Daten auf der Spur  (Vortrag)

Max Kanderske, Sarah Wisbar

 

17:00             Pause

 

17:15             Netzkritik–Kritik im Netz (Film und Einführung)

Kim Grahl, Julia Lewe, Irina Okopnik

 

17:45             Web.Spinne  (Performance)

Samira Zachaei

 

18:15              Abschluss-Diskussion

 

19:00             Sekt-Ausklang

 

 

Organisation und Moderation: Maximilian Busch, Sophia Steneberg, Robin Schrade

Design und Plakat-Gestaltung: Yuequn Zhou

Betreuung und Unterstützung: Dr. Bianca Westerman

 

Infos und Fragen an: Robin.Schrade@rub.de

Veranstaltungsort: Blue-Square, Bongardstr. 16-18, 44787 Bochum

 

Das Programm kann auch  unter dem Menüpunkt „Veranstaltung“ auf diesem Blog als PDF heruntergeladen werden.